Pacandé: Interview mit Ana Maria Schmitz

Pacandé – Interview mit Ana Maria Schmitz
Pacandé ist eine Kaffeerösterei im Herzen von München. Die Kolumbianerin Ana Maria Schmitz rief sie ins Leben um nicht nur Kaffee, sondern auch ihre Kultur und Leidenschaft mit den Mitmenschen zu teilen.

Kannst du in kurzen Worten die Geschäftsidee von Pacandé zusammenfassen?

Die Idee zur Gründung von Pacandé ergab sich zusammen mit dem Wunsch der Eigenständigkeit. Als Kolumbianerin liebe ich Kaffee und als ich nach Deutschland zog, frustrierte es mich viel Geld für schlechten Kaffee ausgeben zu müssen. Daher zog ich es in Erwägung mein eigenes Café zu starten. Schließlich begann ich mich immer mehr für Kaffee zu interessieren. Für mich tat sich eine ganz neue Welt auf, in die ich mich sofort verliebte. Genauer gesagt, in die Welt des Spezialitätenkaffees. In der Region, in der meine Familie lebt und in anderen Gegenden Kolumbiens, werden viele der besten Spezialitätenkaffees der Welt angebaut und verarbeitet. Mein direkter Kontakt zu Kaffeebauern bestärkten die Idee, mit Transparenz und fairem Handel eine Rösterei  anstatt eines Cafés zu eröffnen. Pacandé wurde von mir und meinem Ehemann Andreas vor drei Jahren geründet. Er ist die andere Hälfte des Projektes und hilft insbesondere bei den technischen Angelegenheiten. Persönlich kann ich wenig Leidenschaft für Maschinen aufbringen. Darum kümmere ich mich um den Verkauf, das Design und die Kundenbetreuung.

Kannst du mir etwas über die Rösttechniken, die ihr BEI Pacandé anwendet, verraten?

WENDET IHR SPEZIELLE PROZESSE AN?

Es gibt vielerlei Röstverfahren, die abhängig sind vom gesuchten Endprodukt. Unsere Vorgehensweise ist die, dass wir neue Ware zuerst einmal proberösten und dann verkosten. Mit der Verkostung schätzen wir das Potenzial des Kaffees ein. Dadurch können wir entscheiden, wie wir ihn weiterverarbeiten. d.h. ob geröstet wird für Espresso, Filterkaffee oder Omniroast.

Die Kurven des Röstverfahrens für Filterkaffee sind normalerweise viel kürzer. Somit erreichen wir, den von uns gewünschten, floralen und fruchtigen Kaffee. Beim Espresso werden die Bohnen länger geröstet und wir bekommen einen süßlicheren Geschmack und Nuancen von Schokolade, Karamell und Vollrohrzucker.

Für das eigentliche Röstverfahren verwenden wir eine innovative Röstmaschine der Marke Loring. Sie ist sehr energieeffizient und vermindert dadurch den Ausstoß an CO2. Außerdem ermöglicht dieses System, dass wir die Prozesse automatisieren können und mit jedem Röstverfahren der Kaffee genau gleichbehandelt wird. Die hohe Reproduzierbarkeit führt zu einer konstanten Qualität des Endproduktes. Der Kunde kann somit sicher sein, dass der Kaffee seiner Lieblingssorte ihm jedes mal den gleichen Genuss bereiten wird.

Wie vermarktet ihr eure Produkte?

Wir verkaufen unsere Produkte über unseren Onlineshop und verkaufen vor Ort in unserer Rösterei.

Welche bedeutung haben für dich Heißgetränke?

WIE ERKLÄRST DU DIR DIE STEIGENDE NACHFRAGE AN PRODUKTEN VON SPEZIALISTEN WIE IHR ES SEID?

Als Kolumbianerin, spiegelt die Liebe zu Kaffee die starke Verbindung wider, die ich für meine Kultur und meinen südamerikansichen Wurzeln empfinde. Kaffee ist Teil meines alltäglichen Lebens und weckt bei mir vielerlei Emotionen. Ich denke an zu Hause, an meine Familie, an mein Land und die ganze Anstrengungen, die in so einer Tasse Kaffee stecken.

Gleichzeitig glaube ich aber auch, dass der Konsument langsam ein Bewusstsein dafür entwickelt, wie wichtig es ist, über die Herkunft mancher Produkte Bescheid zu wissen und mit sein EInkaufsverhalten dementsprechend danach auszurichten. Mir ist es wichtig mit unserem Kaffee hier einen Unterschied mit meinem Kaffee zu machen. D.h. wir möchten den Konsumenten auch ein wenig zum Nachdenken anregen, damit er sich Gedanken darüber macht, wie viel Arbeit, in so einer Tasse Kaffee steckt und welchen Einfluss sein Konsumverhalten auf die Lebensqualität, der an der Produktion teilhabenden Menschen haben kann.

Leider sieht es heute noch so aus, dass unser enormer Konsum, der oftmals mehr nach quantitativen anstatt qualitativen Kriterien ausrichtet, eine starke Auswirkung auf unsere Umwelt hat und auf die Familien, die hinter der Produktion stecken und meist keinen oder sehr geringen Gewinn erhalten.

Darum ist es wichtig den Dingen wieder ihren rechten Wert zu geben und ein klares Konsumbewusstsein zu schaffen. In der Kaffeebranche haben viele Kaffeeröster festgestellt, dass man auch mehr verdienen kann, wenn man  gute Qualität anbietetm aber eventuell mengenmäßig etwas weniger verkauft. 

Wie hast du deine Kentnisse über das Kaffeerösten erworben? Warst du schon immer daran interessiert?

Aufgewachsen in einer der Hauptanbauregionen Kolumbiens, bestand bei mir seit jeher großes Interesse an der Weiterverarbeitung von Kaffee. Vor ungefähr vier Jahren habe ich begonnen mehr über Kaffee zu lernen und auch Kurse zu belegen. Hierbei lernt man natürlich viel über die Theorie. Aber ich bin davon überzeugt, dass das Meiste durch die Praxis, d.h. über das Verkosten, die Übung und die dazugehörigen Fehler erlernt wird.

Vor meinen Schritt zur eigenen Kaffeerösterei, war Kaffee von jeher etwas, das mich mit meiner Familie und meinen Freunden zusammengebracht hat und verband. Geschmeckt, hat er mir schon immer.

Was liebst du am meisten an deinem Job? Oder anders herum, was magst du am wenigsten?

Was mir am meisten gefällt ist der Kontakt zu meinen Kunden. Ich liebe es mit ihnen Ideen auszutauschen und ihnen ein wenig meine Kultur vermitteln zu können.

An der Produktion finde ich die Verkostung am spannensten. Was mir am wenigsten gefällt ist die Administration und hierbei vor allem der bürokratische Teil bei der Zusammenarbeit mit Behörden. Aber klar, da muss man durch, das gehört zu jedem Unternehmen.

Möchtest du abschliessend noch etwas ergänzen?

Ich würde gerne die Menschen ermutigen die Welt der Spezialitätenkaffees zu entdecken, sie zu probieren und zu genießen. Am meisten würde ich ihnen jedoch ans Herz legen wollen, dass die Kleinunternehmen unterstützen, die transparent und fair arbeiten und in direktem Kontakt mit den Produzenten in den Anbauregionen stehen.

Ich glaube, dass nur so das Ungleichgewicht in der Wertschöpfung zu Gunsten der Großkonzerne, wieder ein wenig ausgeglichen werden kann und so die Gewinne fairer auf alle Beteiligten der Liefer- und Produktionskette verteil werden können.

Wir bedanken uns herzlichst für das schöne Interview.

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