Deathpresso: Interview mit Thomas Haack

Interview mit Thomas Haack von Deathpresso aus der Schanze, Hamburg

Thomas Haak von Deathpresso hat aus einer Bar eine Kaffeerösterei gemacht. Er teilt mit uns seine Erfahrungen aus der Schanze. Von Cocktailrezepten bis zu feinen Kaffeenoten.

Gibt es heute noch das Konzept `Kopiba` (Tagsüber Café und nachts Bar) wie damals, im Jahr 2009, in euren ersten Anlaufschritten?

Das Konzept gibt es so heute nicht mehr. Es war am Anfang unser Vorgehen, um uns in der Schanze stabilisieren zu können. Eine Kaffeerösterei war eine andere Branche wie sie damals auf der Schanzenscene vorzufinden war. Wir sind ein Gastronomieunternehmen und dort muss der Chef immer präsent sein. Dabei fragten mich immer meine ganzen Freunde wo meine Webpage ist und wie ich mein Marketing betreibe etc. Ich hatte aber keine Zeit dafür. Man kann und muss nur in einem Sektor super gut sein. Somit entschied ich mich die Cocktailbar weiter zu führen bis ich genügend Umsatz hatte, um mich dann nur auf meine Kaffeerösterei zu konzentrieren. Bis dahin haben wir viele Partys gefeiert, aber irgendwann wurde es alles zu viel und wir mussten unser Konzept ändern. Heute steht die Rösterei im Hinterraum unseres Lokals, in der Schanze. Im Hauptraum stelle ich meine Kaffeesäcke und anderes ab, was ich zur Produktion brauche. Gleichzeitig sind dort auch die Tische und unsere Gäste setzen sich inmitten der Kaffeerohmaterialien und Produkte nieder. Es hat auch einen ganz netten Fler den die Kunden lieben. Momentan, in der Pandemie, haben wir aber nur To-Go geöffnet.

Hattet ihr damals in eurer Bar auch Kaffeecocktails? Vielleicht auch mit ein paar eigenen Kreationen?

Es gab auf jeden Fall Cocktails mit Kaffee. Ganz viele sogar und auch von uns selbst erfunden. Der beliebteste was der Black Russian mit Vodka und Espresso. Ebenso der Cocktail namens Pharisäer. Dieser hat auch eine schöne Legende, kann man gerne auf Wikipedia nachlesen. Wir hatten tatsächlich auch warme Kaffeecocktails und die kamen auch immer sehr gut an. Es sah auch ganz lustig aus, wenn einer ein Bloody Mary in der Hand hielt mit vielen Eiswürfeln und sein Kollege einen schönen, dampfenden, heißen Cocktail.

Warum habt ihr vier Kaffeemarken und nicht eine? Was unterscheidet sie jeweils?

Wir haben vier Bildmarken und jede davon ist ein Geschmack. Aber jetzt ist zu jeder Marke noch die Biovariante dazugekommen. Es schmeckt leicht anders, da wir diese Kaffeebohnen von anderen Plantagen beziehen. Es bleibt jedoch ähnlich und wir bleiben auch mit den Plantagen im gleichen Land.

Wie sieht es nun mit den Zukunftsplänen von deathpresso aus? Möchten Sie noch auf langer Zeit in der Schanze bleiben?

Wir wollen auf Dauer nicht in der Schanze bleiben. Die Preise steigen jährlich extrem an. Bis jetzt hatten wir Glück mit unserem Vermieter aber wir müssen uns überlegen, ob es auch sinnvoll ist, mit einer Rösterei in der Schanze zu bleiben. Aufgrund der hohen Mieten verkleinern sich die Läden und bieten nur noch Stehtische an, da es billiger ist. Man versucht irgendwie seinen Weg zu finden, aber Sitzgelegenheiten und Toiletten sind sehr teuer. Wahrscheinlich werden wir uns Strukturmäßig verändern und mit der Rösterei in ein Industriegebiet umziehen. Gleichzeitig jedoch noch einen kleinen Laden in der Nähe behalten. Mal gucken was die Mieten ermöglichen. Die Idee ist natürlich auch, im Alter nicht mehr so viel Stress zu haben. Wir haben mit den Jahren uns schon einen Namen aufgebaut und treue Kunden innerhalb und außerhalb Hamburgs. Dazu kommt noch das Internet, darin steckt ebenfalls ein großer Teil der Zukunft.

Glauben Sie, dass Sie durch deathpresso ein neues Publikum in die Schanze gelockt haben?

Wir waren damals die Ersten in der Schanze und dies hat natürlich seine Vorteile und seine Nachteile. Zu Beginn kamen kaum Gäste, da sie nicht viel Geld für Kaffee ausgeben wollten, wenn es im Supermarkt billiger ist. Als die erste Konkurrenz hinzu kam, hat es unser Geschäft belebt. Je mehr Röstereien kamen, umso größer wurde unser Umsatz. Wir haben alle zusammen die neue Welle in der Schanze getragen. Zu uns kommen Leute aus allen Bevölkerungsgruppen die guten Kaffee rausschmecken können. Diese Leute mussten aber erstmals auch gefunden werden. Auch mit unserem online Shop hatten wir durch den Schneeballeffekt immer mehr Kunden. Freunde machen Freunde auf uns aufmerksam und somit kommen immer mehr Leute langsam auf uns zu.

Haben Sie noch ein paar abschließende Wörter?

Wenn man sich Selbständig machen möchte, muss man sehr überzeugt sein von dem was man tut. Es ist auf jeden Fall kein Beruf sondern eine Berufung. Man muss es wirklich wollen, da sehr viele Hürden auf dem Weg vor zu finden sind. Wir bedanken uns herzlichst bei Thomas Haak von der Kaffeerösterei Deathpresso für das schöne Interview.

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