Im Gespräch mit Jens Kirmse von der Kaffeerösterei Kirmse

Im Gespräch mit Jens Kirmse von der Kaffeerösterei Kirmse

Jens Kirmse von der Kaffeerösterei Kirmse war mit uns im Gespräch und erzählte uns von seinen Anfangszeiten in der Kaffeewelt, aber auch von vielen interessanten Fakten, die uns oft noch unbekannt sind.

Was ist ihre Geschichte? Wie sind sie, Herr Kirmse, in die Kaffeewelt gekommen?

Schon als kleiner Junge liebte ich den Duft von frisch gemahlenem Kaffee. Da es diesen damals nur sonntags und zu besonderen Feierlichkeiten gab wusste ich, dass es sich dabei um ein ganz besonderes Produkt handeln muss. Ich wurde neugierig und habe mir das Rösten vom Kaffeekönig Jens Burg von der Kaffeerösterei Burg aus Hamburg, beibringen lassen. Ich lernte von ihm alles über Kaffee: vom Kauf qualitativ hochwertiger Produkte über das Rösten bis zum Verkosten des schwarzen Wachmachers. Einige Zeit später verliebte ich mich, und blieb meiner Frau zuliebe im bayerischen Wald. Zunächst leitete ich dort den Betrieb  eines Cafés in Bodenmais, bis ich im Jahr 2008 beschloss, dass ich meine eigene Rösterei eröffnen will. Und hier steht sie nun seit über 10 Jahren, die Kaffeerösterei Kirmse in Zwiesel.

Können Sie mir erklären, was der Unterschied zwischen Kaffee und Espresso ist?

Zuerst einen kleinen Fun Fact über Espresso. Geschichtlich gesehen kommt die Espressokultur aus Italien, aber eigentlich haben die Franzosen den Espresso erfunden. Früher, als sie mit ihren Lokomotiven in den Bahnhof gefahren sind, haben sie deren Restdruck verwendet, um sich damit einen Espresso zuzubereiten. Dieses Verfahren haben sich dann die Italiener abgeguckt.

Aber zurück zur Frage. Grundsätzlich kann aus jeder Kaffeebohne beides gemacht werden. Der hauptsächliche Unterschied liegt im Mahlgrad des Kaffees. Für die Zubereitung eines Espressos muss dieser sehr fein sein. Dies liegt daran, dass die Brühzeit bei Espressi relativ kurz ist. Im Vergleich dazu ist die Brühzeit bei einem Filterkaffee länger -der Mahlgrad dementsprechend auch nicht so fein. Die Dauer der Brühzeit bestimmt außerdem den Koffeingehalt eines Kaffeegetränks: er ist somit beim Filterkaffe höher ist als beim Espresso.

Was ist zurzeit ein neuer Trend, der auf dem Markt ist?

Aktuell geschmacklich sehr im Trend liegen Kaffees, die in Mischkulturen wachsen. Zwischen den Kaffeepflanzen befinden sich dabei andere Früchte wie beispielsweise Papaya. Neben positiven ökologischen Effekten wie der Nachhaltigkeit durch die Mehrfachbepflanzung der Felder haben Mischkulturen auch Einfluss auf den Geschmack des Kaffees. Die darin enthaltenen Pflanzen der verschiedenen Früchte übergeben durch den Erdboden geschmackliche Säuren an die Kaffeepflanzen. Dadurch bekommen die Kaffeebohnen neue individuelle Geschmacksnoten. Als Espressi oder Cappuccino getrunken verleihen diese aufregenden Kaffeesorten den Kunden ein neues Geschmackserlebnis.

Sie haben mehrere Einzigartige Produkte, die Sie in der Kaffeerösterei Kirmse anbieten. Was können Sie mir zum Grünen Kaffee Tee sagen?

Es ist mir wichtig, dass ich den Menschen durch meine Produkte zeigen kann, wie breitgefächert die Kaffeewelt ist. Es gibt sehr viel zu entdecken, und ich möchte ihnen das näher bringen. Jeder soll für sich herausfinden dürfen, was ihm schmeckt -und dabei geht es eben um mehr als den klassischen schwarzen Kaffee.

Mein Grüner Kaffee Tee ist ein Beispiel meiner großen Produktpalette.  Hierfür werden grüne Rohkaffeebohnen gemahlen und wie ein klassischer  Tee zubereitet. Das Ergebnis sehr einzigartig  im Geschmack und bestimmt nicht für  jedermanns ein Hochgenuss. Aber neben dem individuellen Geschmack bringt er noch viel mehr mit sich. Man könnte ihn gar als eine Art Nahrungsergänzungsmittel bezeichnen. Die Rohkaffeebohnen haben viel Chlorogensäure, die den Stoffwechsel in Schwung bringen. So ist es kein Wunder, dass grüner Kaffee momentan in Amerika ein großer Trend ist, auch wenn -oder gerade, weil- er ganz anders als der klassische schwarze Kaffee schmeckt.

Was passiert mit dem Koffein der aus den Bohnen extrahiert wird bei der Herstellung von Koffeinarmen Kaffee?

Früher hat man gedacht, dass Koffein gesundheitsschädigend ist. Darum begann man es zu entziehen. Es gibt zwei Arte Koffein zu extrahieren. Einmal durch Lösungsmittel -wie sie die Großindustrie einsetzt- und einmal durch Kohlensäure -was teurer, aber unbedenklicher ist. Das isolierte Koffein wird industriell weiterverarbeitet. Ein sehr großer Markt hierfür ist die Getränkeindustrie -darunter die großen Softdrink-Hersteller, die das Koffein in ihre Produkte geben. Ein weiterer Markt ist die Pharmaindustrie und dicht dahinter die Kosmetikindustrie. So soll Koffein in Kosmetikprodukten beispielsweise zum Haarwuchs beitragen oder die Haut straffen.

Was legen die Sie, Herr Kirmse, noch jedem Kaffeekonsumenten ans Herz?

Bei einem guten Kaffee sind die Themen Qualität und Nachhaltigkeit entscheidend. Ich empfehle darum jedem, sich immer mit dem Produkt zu befassen und die Versprechen zu hinterfragen, die auf so mancher Packung Kaffee abgedruckt sind.

Da ist es gut im Hinterkopf zu haben, wie die Kaffeeböhnchen in die Tasse kommen. Wenn man weiß, dass für eine Tasse Kaffee 60 Kaffeebohnen benötigt werden -sei es Filterkaffee oder Espresso- wird einem so manches klar. Es steckt sehr viel Mühe und Arbeit schon hinter dem Pflücken der Kaffeebohnen für jede einzelne Kaffeetasse. Darauf folgen eine sorgfältige Auswahl, schonende Röstung und liebevolle Zubereitung, bis man seine Tasse Kaffee schließlich genießen kann. Dies sollte man als Kund auch beim Kauf der braunen Böhnchen mitbedenken.

Wir bedanken uns herzlichst bei Jens Kirmse für das schöne Interview und wünschen ihm und der Kaffeerösterei Kirmse noch viel Erfolg!

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.