Deutscher Tee & Kräuterverband: Infos rund um die deutsche Teekultur

Kira Schaper vom Deutschen Tee & Kräuterverband informiert uns rund um das Thema Tee in Deutschland
Wir unterhielten uns mit Kyra Schaper vom deutschen Tee & Kräuterverband über die deutsche Teekultur, die Bedeutung, Entwicklung und Veränderungen über die Jahre.

Kann man sagen, dass Deutschland eine tiefgründige Teekultur hat und wie sieht diese aus?

Oh ja. Deutschland hat definitiv eine Teekultur. Wir haben in Deutschland sogar eine 400 Jahre Teezeremonie, die seit 2017 zum immateriellen Kulturerbe gehört. Etwa 300 Liter Tee trinkt jeder Ostfriese heute pro Jahr, sie sind aktuell Weltmeister. Nirgendwo auf der Welt wird so viel Schwarztee pro Kopf pro getrunken wie dort. Aber auch im Bereich Kräuter- und Früchtetees (das sind alle Tees, die nicht vom Teestrauch stammen) sind wir fleißige Genießer. In keinem Land Europas werden so viel Kräuter- und Früchtetees getrunken wie in Deutschland.

Nähere Infos zur Ostfriesischen Teezeremonie/Teekultur

Wie trinken die Ostfriesen ihren Tee? Ungerührt!

Für ein authentisches Ostfriesentee-Erlebnis und um in die Teekultur einzutauchen wird zunächst Tee mit sprudelnd heißem Wasser aufgegossen. Man nimmt etwa 10 Gramm Tee pro Liter und gibt ihn in die Kanne und füllt diese erst einmal nur halb. Erst nach dem Ziehen (drei bis fünf Minuten) wird sie ganz aufgefüllt. Dann kommt in jede Tasse ein Kluntje. Das Knistern beim Einschenken des zerberstenden Kandis stimmt auf den Tee-Moment ein. Die Sahne wird mit dem Sahnelöffel traditionell vom Tassenrand aus in die Tasse gegeben – gegen den Uhrzeigersinn, um symbolisch während des Teetrinkens die Zeit anzuhalten. Die Sahne sinkt erst nach unten und steigt dann weiß und wolkig wieder auf: „Tee as Ölje, Kluntje as’n Sliepsteen un Room as’n Wulkje“ – der Tee wie Öl, der Kandis wie ein Schleifstein und die Sahne wie ein Wölkchen. Jetzt ist der Tee trinkfertig – ohne umzurühren. So bekommt jeder Schluck ein anderes Geschmackserlebnis: zunächst die Milde der Sahne, dann das kräftige, leicht herbe Aroma des Tees und zum Schluss die sanfte Süße des Kandis.

Gastfreundschaft und Zeit zusammen

Man braucht Ruhe und Sorgfalt für die Teebereitung und Zeit für den entspannten Genuss, aber beim Teetrinken genießt man in Ostfriesland einen geselligen „Klönschnack“. Das heißt, die Ostfriesen haben bei ihrem Ritual sehr gerne Gäste dabei. Die „Teetied“ verbindet schließlich und ist wichtiger Ausdruck der Gastfreundschaft. Als Gast sollte man aber wissen: Ist die Tasse ausgetrunken, bekommt man ohne Aufforderung nachgeschenkt. Und zwar mindestens dreimal, denn „dree is Ostfreesenrecht!“ Möchte man keinen Tee mehr, gibt man ein diskretes Zeichen. Man stellt den Löffel in die Tasse oder legt ihn mit der Laffe nach unten auf die Untertasse.

Hier finden Sie ein kleines Bilder-Tutorial für die Zeremonie.

Der Tag richtet sich nach dem Tee

Sechs Teezeiten sind in Ostfriesland durchaus üblich, sie geben dem Tag Rhythmus und Struktur. Dazu gehören unter anderem der erste Tee am frühen Morgen, das „Elführtje“ als Teepause am späten Vormittag und der Nachmittagstee, der um 15 Uhr herum serviert wird. Auch am Abend wird Tee getrunken. Es gilt praktisch rund um die Uhr das gastfreundliche Motto „Ostfriesische Gemütlichkeit hält stets ein Tässchen Tee bereit“. Auch haben sich viele mundartliche Begriffe und Redewendungen um das „Nationalgetränk“ eingebürgert. „Erstmal en Koppke (oder je nach Region ´n Tass) Tee!“ Und schon klären sich die Dinge …

Wie ist der Teekonsum Heute in Deutschland. Aus welchen Traditionen kommt unser heutiges Teekonsumverhalten?

Zum Konsum heute:

Tees bleiben weiter stark im Trend. Über 120 Millionen Tassen Tee werden in Deutschland täglich getrunken. Wegen seiner Vielseitigkeit werden es immer mehr junge Teeliebhaber, die ihr Lieblingsgetränk in dieser bunten Welt Assam, Oolong, Rooibos, Mate & Co. gefunden haben. Verständlich, weil die Geschmacksauswahl groß ist und Tee zum Ernährungs- und Gesundheitsbewusstsein einfach dazugehört.

Zur Geschichte des Tees (Teekultur):

Tee kam erstmals gegen Mitte des 17. Jahrhunderts nach Deutschland. 1657 wurde Tee in Deutschland erstmals erwähnt, und zwar als ‚Herba Theae‘ oder ‚Herba Schack‘. Tee wurde damals – aufgrund seiner guten gesundheitlichen Eigenschaften – ausschließlich in Apotheken verkauft. Mit der Zeit lernte man auch die anderen Aspekte dieses neuen exotischen Getränks schätzen. Ein Getränk, das wohl tat und erfrischte zugleich aber auch entspannen konnte. Nicht einmal 100 Jahre später wurden 1752 bereits eine Vielfalt von 60 verschiedenen chinesischen Tees nach Deutschland importiert. Bevorzugt durch die geographische Lage konzentrierte sich der Tee-Import und -Handel im Nordwesten Deutschlands, da die Hafenstädte dieser Region zugleich auch die Handelsmetropolen jener Zeit waren. Eine der ältesten und speziellsten Teekulturen entwickelte sich in Ostfriesland.  1610 kam der erste Tee überhaupt nach Europa. Der Tee selbst kam aus Japan über Java (damals noch portugiesisch) auf Großseglern der Niederländischen Ostindien-Kompanie nach Amsterdam. Die Ostfriesen lernten das fernöstliche Getränk durch ihre holländischen Nachbarn kennen. Mit Ausnahme von Ostfriesland, wo der Tee sehr schnell das bisherige Lieblingsgetränk und Grundnahrungsmittel „Bier“ verdrängt hatte, fand der Tee – als exotisches Importprodukt – hierzulande – als Kopie der britischen Tea Time – zunächst nur Eingang in die Salons des Adels, des Großbürgertums sowie intellektueller Zirkel.

Zur Geschichte des Kräuter- und Früchtetees (Teekultur):

Hierzulande wird Kräutertee bereits um das Jahr 800 in den Schriften eines Klosters auf der Bodensee-Insel Reichenau erwähnt. Insbesondere durch die naturkundlichen Schriften der Hildegard von Bingen (1098-1179) fand die Nutzung von Kräutern und Früchten weitere und nachhaltige Verbreitung.

Über 400 verschiedene Pflanzenteile von rund 300 verschiedenen Pflanzen bilden die Grundlage für die Vielfalt, aus Samen und Wurzeln, Blüten und Früchten oder Rinden und Blättern werden seit jeher beliebte sowie immer neue Mischungen komponiert. Pur sind auch Mono-Sorten, wie u.a. Pfefferminze, Fenchel, Rooibos und Verbene, ein Genuss.

Was ist eure Hauptaufgabe als Deutscher Tee und Kräutertee Verband?

Sicherheit

Mit hochqualifizierten Experten ist unser Verband maßgeblich daran beteiligt, dass Tees, die nach Deutschland kommen, qualitativ geprüft und stark überwacht werden, bevor sie in den Handel kommen.

Zahlen / weltweit

Werden aktuelle Zahlen und Statistiken rund um Tee und Kräuter- und Früchtetee veröffentlicht, dann kommen diese Zahlen vom Deutschen Tee & Kräutertee Verband in Zusammenarbeit mit den nationalen & internationalen Statistikämtern. Der Verband ist die Drehscheibe des europäischen Teehandels und erfasst alle Markt- und Wirtschaftsdaten zu Verbrauch, Entwicklung und Im- und Export. 

Gesprächspartner

Wir stehen unseren Mitgliedern und der breiten Öffentlichkeit professionell für Fachfragen im Bereich Qualitätssicherung, Lebensmittelrecht, Warenkunde und Ernährung zur Verfügung.

Gibt es spezifische Bereiche in der Teewelt bzw. Teeindustrie, wo von eurer Seite der starke Wunsch besteht, dass Menschen besser aufgeklärt oder informiert wären?

Der hohe Qualitätsstandard wird aus meiner Sicht zu selten wahrgenommen. In Deutschland erhältliche Tees – das beinhaltet sowohl Grüntee, Schwarztee als auch Kräuter- und Früchtetee – sind von ausgezeichneter Qualität und sicher. Unserer Mitglieder und Mitgliedsunternehmen haben an ihre eigene Qualitätssicherung hohe Ansprüche und strengste und umfassende Eigenkontrollen. Dieses Qualitäts- und Kontrollsystem geht übrigens nicht selten über die als sehr streng bekannten Lebensmittelgesetze in Deutschland und Europa hinaus. Ob Bio-Tee oder konventioneller Tee – die in Deutschland erhältlichen Tees sind von hoher Qualität. Das hat insbesondere auch damit zu tun, dass durch die Zusammenarbeit mit den Anbauern und neueren Erkenntnissen im Agrarmanagement seit Jahren der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln kontinuierlich zurückgefahren werden konnte.

Außerdem gibt es immer noch den Irrglauben, dass lose Tees höherer Qualität sind als Teebeutel. Das stimmt so nicht. Es gibt guten und schlechten Tee, sowohl im Beutel als auch lose verpackt. Teebeutel sind der schnelle Weg und können aus der gleichen Produktion stammen. Vergleichbar mit Goldstaub behält auch der Tee, der in Teebeuteln steckt, trotz seiner kleineren Blattstücke seine Qualität und damit seinen Wert. Der Unterschied zum losen Tee ist nur, dass durch die feinen Blattstücke, man sagt auch Blattgrade, sich die Inhaltsstoffe schneller herauslösen und das Aroma besser entfalten kann. Loser Tee ist meist großblättriger und bedarf etwas mehr Platz und Zeit, damit die Blätter sich entfalten können und bietet somit wiederum einen perfekten Moment, mal inne zu halten und den Moment zu genießen. 

Inwiefern hat sich der Teekonsum in den letzten Jahren in Deutschland verändert bzw. weiterentwickelt?

Für viele Menschen ist Tee ein Lebensmittel und eine Lebenseinstellung in einem geworden. Der Trend zu Qualität statt Quantität ist eine erfreuliche Entwicklung, die den hohen Standards von Erzeugern und Herstellern in Deutschland entgegenkommt.

Bist Du Morgenmuffel, Frühsportler, experimentierfreudig, traditionell, Clean Eater, gestresst oder im seinem ganz persönlichen meditativen Moment – Tee ist immer das richtige Getränk. Grüntee, Schwarztee, Kräutertee, Gewürztee, Rooibos, Mate, Matcha oder Verbene – es gibt unendlich viele Geschmacks-Möglichkeiten. Die kann ich hier kaum aufzählen. Tee ist Wachmacher, Wärmespender, Streitschlichter und auch mal in stressigen Zeiten Wellness-Profi. Tee zieht immer! Bei einer gemeinsamen Tasse Tee wird gelacht, geplaudert und philosophiert – Tee hat einen sozialen Stellenwert und verbindet uns Menschen.

Und nicht zu vergessen, er ist jahreszeitenunabhängig. Ich kann ihn heiß trinken, aber auch ganz schnell und einfach daraus einen köstlichen Eistee oder Cold Brew machen. Mit oder ohne Koffein, für Kinder oder Erwachsene.

Wir bedanken uns herzlich bei Kyra Schaper für das schöne Interview und den Einblick, den sie uns damit in Deutschlands Teekultur gewährt hat.

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