Die Hand-in-Hand-Arbeit von The Coffee Board mit Orphan’s Hope & Life

Die Hand-in-Hand-Arbeit von The Coffee Board mit Orphan's Hope & Life

Welche familiäre Verbindung besteht zwischen dir und Kenia? Was ist momentan dort die einheimische Lebenssituation und der Zustand des Landes?

Die Hälfte meiner Familie stammt aus Ostafrika, unter anderem aus Kenia. Der Ort Kirinyaga liegt ca. 110 km von Nairobi entfernt in Richtung Mount Kenia, dort ist mein Schwiegervater geboren, meine Schwiegermutter stammt aus Uganda. Mein Schwiegervater stammt aus Kenia und meine Schwiegermutter aus Uganda. 2010 gründete mein Schwiegervater das Waisenheim Orphan’s Hope & Life Kenya e.V. und als gelernter Arzt, war es seine Berufung Kindern zu helfen, die oft schlimme Schicksalsschläge erleben mussten.

Seit 2016 leitet meine Schwiegermutter zusammen mit meinem Mann und mir das Waisenheim. Es ist unser Herzensprojekt die Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden zu begleiten. Wir verbringen jährlich mehrere Monate in Kenia, um den nahen Kontakt beizubehalten. Natürlich haben wir auch ein fantastisches Team vor Ort und oft viele Besucher, die etwas Gutes tun möchten.

Die Lebenssituation in 2020 war alles andere als einfach. Die Schulen waren das ganze Jahr über geschlossen und öffnen erst am 11.01.2021 wieder. Das bedeutet ein ganzes Schuljahr muss wiederholt werden. Darüber hinaus hat die Regierung beschlossen, dass mindestens 1,5 Meter Abstand eingehalten werden muss. Da die Kinder unterschiedliche Schulen besuchen, durften nur 10 der 26 Kinder während des Lock-Downs bei uns bleiben. Die anderen Kinder wurden zu Oma’s, entfernten Verwandten oder bei unseren Nachbarn untergebracht.

Es ist eine sehr schwierige Zeit, wir haben alle Kinder mit Telefonen ausgestattet, damit wir auch aus der Ferne mit allen Kindern persönlich in Kontakt stehen können. Meine Schwiegermutter, Mabel Ngari spricht den Kindern Mut und Zuversicht zu. Natürlich haben unsere Kinder auch während des Lock-Downs Besuche von unserem Heimvater bzw. Lebensmittel und Hygiene Lieferungen erhalten. Das umfasst nicht nur Lebensmittel für unsere Kinder, sondern für den gesamten Haushalt der Person die eines unserer Kinder aufgenommen hat. Alles in allem eine hohe finanzielle und psychische Belastung. Wir sind sehr dankbar für alle Spenden, die wir bisher erhalten haben. The Coffee Board unterstützt nicht nur in Notsituationen, sondern spendet das gesamte Jahr pro Kilo Kaffee 2€ an das Heim.

The Coffee Board unterstützt das Waisenheim Orphan‘s Hope & Life Kenya e.V.. Dieses Heim existierte aber schon vor der Kaffeerösterei. Wie entstand das Waisenheim und die Zusammenarbeit mit The Coffee Board?

Unser Waisenheim „Josephine Wambui Orphanage and Rehabilitation Centre“ in Kimweas am Fuße des Mount Kenia, hat seinen Namen im Andenken an Josephine Wambui, die sich bis ins hohe Alter von 103 Jahren um Waisen- und Straßenkinder kümmerte. Das Heim wurde 2010 von Josephine Wambui’s Sohn, Dr. Peter Ngari gebaut. Mein Schwiegervater, Dr Ngari verstarb im Februar 2016 und sein Sohn Sascha Ngari ist in den Vorstand eingetreten und hat somit den Staffelstab übernommen. Sascha, führt die Vision seiner Oma und Vater gemeinsam mit seiner Mutter und mir weiter. Es war die Liebe zu Land und Leuten, die The Coffee Board inspirierte und den Maßstab für unsere Markenwerte gesetzt hat. Daraus hat sich ergeben, dass pro verkaufter Tüte Kaffee 0,50€ an das Heim gespendet werden. The Coffee Board ist es wichtig transparent zu arbeiten, nicht nur innerhalb der Wertschöpfungskette sondern auch wenn es um den guten Zweck geht. Ich kann mit 100% Sicherheit sagen, dass das Geld genau da ankommt wo es benötigt wird. Die letzten Jahre war ich persönlich vor Ort und konnte mir ein genaues Bild davon machen, was benötigt wird. Zum Beispiel wurde letztes Jahr eine Sachspende in Form von Unterwäsche für unsere Teenage-Mädchen überbracht. Und dieses Jahr schauen wir Ende Januar was die Situation fordert.

Kannst du uns eine Anekdote oder eine Geschichte eines Waisenkindes erzählen? Was ist durch eure Hilfe möglich geworden?

Es gibt viele wirklich herzzerreißende Geschichten und kleine schöne Anekdoten. Meine erste Geschichte ist die von der kleinen Sophia. Wir haben sie vor 10 Jahren auf dem Rücken ihrer toten Mutter in einer Grube gefunden. Sophia war so traumatisiert, dass sie jahrelang nicht gesprochen hat, doch durch unsere Hilfe, das geschenkte Vertrauen und Zuneigung, spricht sie heute und geht zur Schule. Sie ist offen, glücklich und ein motivierter junger Teenager.

Eine schöne Anekdote hat sich bei meinem letzten Besuch im März 2020 ereignet und bezieht sich auf die Entwicklung der Kids. Ich versuche bei jedem Besuch Zeit mit den Kids zu verbringen, mit Ihnen zu sprechen und das Leben durch ihre Augen zu sehen. Man merkt, dass sich die Bedürfnisse ändern, sie werden älter und sind neugieriger. Das was für uns in Deutschland selbstverständlich ist; der Zugang zum Internet ist in den ländlichen Regionen eher eine Seltenheit. Ich habe einen kleinen WLAN Router besorgt und mit den Kindern eine Reise durch die Welt gemacht. Sie wollten wissen wie bunt unsere Welt ist? Sie fragten mich, wie sehen Menschen aus Italien, Deutschland, Frankreich oder China aus?  Wir saßen in unserem Wohnzimmer bis wir das Datenvolumen aufgebraucht hatten – sie waren begeistert! Für viele Menschen in Europa ist das nichts Besonderes unterschiedliche Nationalitäten kennenzulernen – aber für unsere Kinder war es eine tolle Erfahrung.

Dieser Nachmittag bleibt mir bis heute im Kopf und deshalb lebe ich durch The Coffee Board ganz besonders das Thema Antirassismus. Mit dem Credo „All colours are beautiful“ und „Together we make the perfect blend“ vereine ich uns Menschen und unsere Kaffeebedürfnisse. Orphan’s Hope & Life gibt mir die Inspiration und erinnert mich immer wieder daran: „Konzentriere dich auf die wesentlichen Dinge“. Partnerschaftliches Arbeiten in den Anbauländern, als auch mit meinen Kunden in Europa steht mit an oberster Stelle. 

Was steckt denn hinter deinem Credo „All colours are beautiful“ und „Together we make the perfect blend“?

Hinter beiden Statements steht diskriminiere keine andere Person. Mit „All colours are beautiful“ möchte ich zusätzlich, innerhalb der Kaffeeszene darauf hinweisen, dass alle Röstungen ihre Berechtigung haben, es ist ganz dir überlassen welchen Kaffee du trinkst. Um es farblich auszudrücken, magst du eher die helle/ skandinavische Röstung oder eher die dunkle/ italienische Röstung – es ist egal „All colours are beautiful“. Und „Together we make the perfect blend“ bedeutet, gemeinsam mit The Coffee Board kannst du deinen eigenen Bürokaffee kreieren – ganz nach deinem Geschmack, ein Bereich, der dieses Jahr sehr interessant für uns wird. </span >

Wie sieht die Patenschaft aus mit einem Waisenkind? Was bewirke ich dadurch?

Wir leben einen holistischen Ansatz, Patenschaft sollte zu einer Partnerschaft werden. Ein Kind wächst heran, und man darf es für eine gewisse Zeit begleiten, es unterstützen und ihm helfen heranzuwachsen, damit es ein wichtiger Teil der kenianischen Gesellschaft werden kann. Neben dem natürlichen Versorgen wollen wir unterstützen, fördern und Hilfestellungen geben.

Paten können mit Einmal-Spenden helfen, oft gibt es spezifische Projekte für die wir als Verein sparen, bis wir sie umsetzen können wie zum Beispiel der Bau eines neuen Hauses für die älteren Jungs. Man kann unseren Kindern aber auch mit einer regelmäßigen Spende von 30 Euro helfen.

Umfang der Patenschaft:

  1. eine ausgewogene Ernährung
  2. Kleidung und Schuhe
  3. medizinische Versorgung und
  4. die Schulbildung auf einer Privatschule

Ich wurde oft gefragt, ob das wirklich notwendig ist z.B. der Besuch einer Privatschule. Unsere Antwort ist eindeutig „Ja“ unsere Kinder haben schlimmes erlebt und brauchen mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung als andere Kinder, daher legen wir sehr viel Wert darauf Ihnen den bestmöglichen Start in ihr Leben zu geben. Bildung ist Wissen und das Fundament für das eigene Leben.

Hast du noch ein paar abschließende Wörter, die du an unsere Leser weitergeben möchten?

Ja, gerne. Es ist ein Afrikanisches Sprichwort mein Schwiegervater pflegte es zu sagen: „Viele kleine Leute, die an vielen kleinen Orten, viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern“ und dazu versuchen wir unseren Beitrag als The Coffee Board gemeinsam mit unseren Spendern zu leisten. Ich bedanke mich für das Interview und blicke positiv in die Zukunft.

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