Interview mit Christian Müller von der Viktualienmarkt Kaffeerösterei

Interview mit Christian Müller von der Viktualienmarkt Kaffeerösterei

Auf welche Art und Weise haben Sie sich mit Kaffee beschäftigt, bevor Sie Ihren eigenen Kaffeestand eröffnet haben?

Ich habe mich viel und gerne in meinem Privatleben mit Kaffee beschäftigt. Ich war schon immer Kaffeeaffin und fand es schon immer toll. Vor allem habe ich es geliebt italienischen Kaffee zu trinken. In den 90gern gab es die italienische Barkultur in Deutschland nicht. Im Stehen ein Heißgetränk zu konsumieren gab es so nicht. Ich dagegen bin schon immer gerne nach Italien gefahren und trank sofort nach meiner Ankunft ein Espresso oder ein Cappuccino. Ich dachte mir, dass diese Barkultur auch in Deutschland funktionieren könnte. Es war zu Beginn sehr schwierig in München etwas bezahlbares zu finden. Wie es das Leben jedoch manchmal so will, lernte ich jemanden kennen der mich aufmerksam machte auf einen Stand auf dem Viktualienmarkt, den ich dann auch ergatterte.

Es war ein langer Weg und viele Jahre, bis sie auf dem Viktualienmarkt Ihre Rösterei eröffnen konnten. Wie fühlt es sich heute an?

Die Idee vom Rösten hatte ich schon lange im Kopf und habe schon 1998 ein Röstseminar besucht. Doch als ich meinen ersten Laden hatte, bestand noch nicht die richtige Struktur und Größe um selbst zu Rösten. Ich lernte dann wieder jemand kennen, der eine kleine Rösterei in Neapel hatte. Von dieser Rösterei importierte ich über viele Jahre Kaffee für meinen Laden. Das heißt in meinem Laden habe ich zu Beginn nur importiert und ausgeschenkt. Es lief auch sehr gut. Darum kam ich von der Idee des eigenen Kaffeeröstens etwas ab. Nach ungefähr acht Jahren begannen die Probleme mit dem Betrieb in Neapel. Dieser wurde immer größer und vernachlässigte somit leider seine Qualität. Ich brach den Kontakt ab und konzentrierte mich auf das eigene Kaffeerösten. Unser erster Röster war relativ klein und wir bemerkten schnell, dass wir mehr Kaffee verbrauchten als das wir produzierten. Somit mieteten wir noch ein Lager an, wo wir auch Platz hatten, um unsere benötigte Menge an Kaffee zu produzieren.

Übertrifft die Realität heute Ihren damaligen Traum?

Ja, der Traum wurde Realität. Es war ein langer Prozess. Ich habe damals ganz allein angefangen und wusste nicht genau was passiert oder was werden kann. Ich konnte mich auch nicht an anderen Läden orientieren. Ich reduzierte meine Ausgaben und stellte mich 6 Tage die Woche, ohne jeglichen Urlaub in meinen Laden. Es ging alles langsam Voran. Nach einem Jahr konnte ich mir meine erste Aushilfe leisten. Also zwischen dem Traum und der Realität gibt es keinen wirklichen Unterschied, da es ein Prozess ist. Heute fühlt es sich gut an, aber es gibt auch immer wieder Schwierigkeiten. Es ist ein ständiges hin und her und jetzt mit der Pandemie sind wir ständig gefordert. Wir haben vor einem Jahr einen online Shop aufgemacht und dieser hat uns auch sehr geholfen in diesen Zeiten über die Runden zu kommen. Überwiegend haben wir Stammkunden in München, aber viele Touristen, die dann auch gerne von zu Hause bestellen.

Wie viele Kaffeesorten haben sie? Streben SIe auch damit ein bestimmtes Publikum an?

Wir haben fünf Sorten. Die Idee war es ursprünglich nur eine Einzige zu produzieren, so wie es in Italien Tradition ist.  Der Kunde in Deutschland bevorzugt jedoch mehr Auswahl zu haben. Manche wollen eine leichte Röstung und viele wollen Filterkaffee, welcher in Italien gar nicht mehr getrunken wird. Wir wollten eine gewisse Auswahl anbieten aber auch verhindern, dass der Kunde oder wir uns verzetteln. Mit zu vielen Sorten wird es auch mit der Frische problematisch. Bei uns wird täglich frisch geröstet und das muss auch alles Zeitlich abgestimmt sein. Wir steuern keine bestimmte Altersgruppe an, sondern den klassischen Kaffeetrinker mit hohen Qualitätsanspruch. Wir orientieren uns eher an dem klassischen Kaffeegeschmack. Es ist ein intensiver Geschmack, der erdig, zartbitter und nussig schmeckt. Unseren Filterkaffee rösten wir um ein Ticken dunkler, aber bewahren immer noch den typischen Filterkaffeegeschmack. Leichte Röstungen machen wir nicht. Der fruchtige Anteil gehört für mich nicht zum Kaffee.

Auf Grund dessen, dass Sie auf dem Viktualienmarkt stehen, haben Sie bestimmt auch ein sehr internationales Publikum. Wie sind da die Reaktionen?

Es freut uns von Touristen ein Feedback zu bekommen. Ganz besonders wenn bei uns Italiener an den Stand kommen und erst ganz misstrauisch gucken, wer denn genau den Kaffee herstellt. Bis der erste einen Espresso bestellt und den Rest der Gruppe aufmuntert auch zu probieren. Wenn alle trinken, ganz begeistert sind, und dann sogar Kaffee kaufen, um ihn mit nach Hause zu nehmen, ist es ein wunderbares Gefühl. Durch den online Shop können wir auch so unsere internationalen Kunden bedienen. Heute kam zum Beispiel eine Bestellung aus Saudi-Arabien.

Möchten Sie noch etwas ergänzen?

Was ich gerne noch zum Schluss betonen möchte ist, dass ich es super finde, dass wir keine spezifische Zielgruppe haben. Ich wollte schon immer einen Laden eröffnen für Alle die Freude an einem guten Kaffee haben.  Es war für mich schon immer das wichtigste. Ich hatte schon damals einfach Lust richtig guten Kaffee zu machen und man beginnt irgendwie ohne Recht zu wissen, wo einen der Weg hinführen wird. Immer wenn ich die Chance hatte, habe ich mich fortgebildet und neue, teure Maschinen gekauft. Es war und ist ein permanenter Prozess. Es liegt mir auch sehr am Herzen, dass wir alle Menschen ansprechen. Ich nehme auch an, dass deswegen auch so viele kommen. Da es die Gruppe ist die Qualität liebt. Diese Gruppe ist Alters und Kulturübergreifend. Wir bedienen viele Einheimische und Touristen, d.h. es ist eine große Gruppe von Kaffeeliebhabern. Für mehr Informationen und Einblicke in die Kaffeerösterei am Viktualienmarkt, klickt hier auf den Link. Kaffeerösterei Viktualienmarkt – Frisch gerösteter Kaffee aus dem Herzen Münchens (kaffee-muenchen.de) Ich bedanke mich herzlichst bei Christian Müller für das Interview und die Zusammenarbeit.

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